Geschichte der Bad Homburger Luftschiffparade

Zu Beginn den 20. Jahrhunderts begann sich die neue Luftschifffahrt rasant schnell zu entwickeln. In Deutschland behauptete sich Frankfurt bald als ein zentraler Standort des neuen Transportmittels: hier fand 1909 die Internationale Luftschifffahrt-Ausstellung (ILA) statt, deren Ziel es war, dem staunenden Publikum möglichst viele Flugzeuge und Luftschiffe zu präsentierten. In 99 Tagen lockte dieses Ereignis 1,4 Millionen Besucher an.

Der Kaiser mit Gefolge in Bad HomburgAngesichts der internationalen Krisen und der ständigen Kriegsbedrohung ging man allerdings auch bald dazu über, das neue Transportmittel für militärische Zwecke einzuplanen. Diesem Umstand verdankt Bad Homburg v.d. Höhe die Reichsluftschiffparade vom 22. April 1910. Kaiser Wilhelm II., häufig zu Gast in dem renommierten Kurbad, bestellte drei miteinander konkurrierende Luftschifftypen zu einer Parade nach Homburg, um sich persönlich ein Bild von deren Vor- und Nachteilen zu verschaffen. 

Die drei Luftschiffe - das Starr-Luftschiff Z II des Grafen Ferdinand von Zeppelin, das halbstarre Luftschiff M Ic des Major Hans Groß und das Prall-Luftschiff PL3 von Major Prof. August von Parseval - sollten, von Köln kommend, in der Nähe des Landeplatzes Übungsfahrten in Keillinie (hintereinander) und Dwarslinie (nebeneinander) ausführen und dann in einem Umkreis von etwa 500 m landen.

Für die Homburger spielten die militärischen Erwägungen keine Rolle, für sie war die Luftschiffparade ein großes Ereignis, über das die Presse ausgiebig berichtete. Als die Luftschiffe nach etwa 5-stündiger Fahrt gleichzeitig in Homburg v.d. Höhe eintrafen, wurden sie von einer großen Zuschauermenge erwartet. Hilfestellung durch das in Homburg stationierte Bataillon-Regiment Nr. 80, das Frankfurter Regiment Nr. 81, Gendarmerie und die freiwillige Feuerwehr war auch zur Stelle.

Der Z II machte eine große Schleife um die Stadt, der PL3 schwebte am Kaiser vorbei, nur der M I mußte wegen starken Windes zum Ankerplatz gezogen werden. Nach erfolgreicher Landung aller drei Luftschiffe, näherte sich Kaiser Wilhelm II. der ihm nächsten Gondel und gratulierte der Besatzung des Z II. Schließlich durchbrachen auch die Zuschauermassen die Absperrungen um den Landeplatz und drängten zu den Luftschiffen, um diese aus der Nähe zu bewundern. Der ursprünglich militärische Zweck wich einem fröhlichen Volksfest!

Z II, M I und PL3 - drei Luftschiffe im Jahr 1910Am Folgetag wurde der M I vom Gas entleert, demontiert und auf die Bahn verladen, die das Luftschiff nach Köln zurückbrachte. Diese Luftschiff wurde schließlich in Thorn stationiert und wahrscheinlich bereits vor dem 1. Weltkrieg außer Dienst gestellt. Der PL3 kehrte um 19.00 Uhr den Rückflug an und erreichte Köln um 01.00 Uhr. Das Luftschiff wurde weiter als Aufklärer für das deutsche Heer eingesetzt und schließlich am 16. Mai 1911 durch einen Sturm zerstört. Der Zeppelin verließ Homburg erst am Vormittag des 24. April. Wegen eines Sturms entschloss der Kapitän zur Landung bei Limburg. Eine Böe riß dort das Luftschiff aus seiner Verankerung und trieb es führerlos gen Westen bis es am Weberberg bei Weilburg zerschellte.

Zum 90. Jubiläum der Reichsluftschiffparade im Jahr 2000 veranstaltete die Kur- und Kongreß-GmbH mit Partnern und Sponsoren die 1. Bad Homburger Luftschiffparade. Diese als einmaliges Ereignis gedachte Veranstaltung stieß auf solch große Begeisterung, dass die Entscheidung fiel, die Luftschiffparade im Wechsel mit dem Ballonfestival "Montgolfiade" alle zwei Jahre, in den ungeraden Jahren, durchzuführen. Im Mittelpunkt steht dabei immer der Formationsflug der HL-Luftschiffe - der Heißluft-Luftschiffe, die ähnlich einem Ballon aufgeblasen, dann aber mit Motor betrieben werden und steuerbar sind.